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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 8, ( 1992)

Ein Interview mit S.H. dem 16. Karmapa

Aus der amerikanischen Dharma-Zeitschrift "Densal"

Während seiner dritten Reise durch die USA gab Seine Heiligkeit Gyalwa Karmapa der buddhistischen Zeitung Densal, herausgegeben vom Woodstock-Zentrum, ein persönliches Interview. Wir danken Densal für die Erlaubnis, einige Auszüge daraus zu veröffentlichen:
Dies ist Ihre dritte Reise durch die USA. Gibt es einige Beobachtungen, die Sie uns gerne mitteilen möchten, oder möchten Sie etwas sagen über das Wachstum des Dharma in den USA ?

Der Lehrer hat die Verantwortung, ständig die Belehrungen zu geben. Es spielt keine Rolle, ob eine lange oder eine kurze Zeit vergangen ist, sondern nur, daß die Lehren kontinuierlich gegeben werden. Manchmal scheint es besser zu passen, Belehrungen zu geben, weil die Leute Zeit und Muße haben. Es scheint eine gute Zeit zu sein, die Lehren zu geben. Zu anderen Zeiten scheint es, als sollten die Belehrungen nicht gegeben werden, weil die Leute geschäftig und vielleicht uninteressiert sind. Es ist aber wichtig, nicht in dieser Weise nach Ort und Zeit zu unterscheiden, sondern die Belehrungen ständig zur Verfügung zu stellen. Wenn nur eine Person interessiert ist, müssen die Belehrungen gegeben werden. Ob nur ein paar, hunderte oder Millionen von Leuten interessiert sind; die Belehrungen müssen weitergehen, ohne ein Gefühl von Befriedigung oder Entmutigung. Die Dharma-Belehrungen müssen zu allen Zeiten weitergehen und die Erscheinungen der Zeit transzendieren. Eine weitere Situation, die entstehen könnte, ist, daß wir meinen, aufgrund der Zeit oder dessen, was wir getan oder verwirklicht haben, mit der Praxis und dem Hören der Belehrungen aufhören zu sollen. Das ist nicht der Dharma-Weg. Sie geht weiter. Dies ist der Bodhisattva-Weg. Solange es nur einem Wesen nutzt, müssen Sie weitergehen, ohne ein Gefühl von Entmutigung.

Die Etablierung des Dharma an einem Ort ist das Resultat dessen, was auf individueller Basis geschieht, es liegt in der Verantwortung des Praktizierenden. Das heißt, den Dharma richtig zu verstehen, die Wahrheit von Karma zu respektieren, die Wahrheit von Ursache und Wirkung. Man respektiert die Wahrheit der Belehrungen und weiß, daß man danach leben und sie bewahren sollte. Wenn die Wesen aber die Wahrheit der Lehren oder die Wahrheit von Ursache und Wirkung - was ebenfalls die Wahrheit der Lehren ist - nicht respektieren, dann wird das die Etablierung des Dharma nicht fördern.

Das größte Problem der Leute im Westen scheint mir zu sein, daß sie den Wunsch haben, letztendliche spirituelle Realisation in einem Leben zu erlangen, gekoppelt mit der Tatsache, daß sie die ganze Zeit in der Welt arbeiten müssen, in verschiedenen zeitaufwendigen Karrieren. Wie kann man mit dieser Situation umgehen und effektiv den Mahamudra-Weg gehen? Es wird gesagt, daß Handlung auch Meditation sein kann. Könnten Sie dies erklären?

Wir sind seit vielen, vielen Leben in der samsarischen Erfahrung gefangen, weil wir von unseren Gewohnheitsstrukturen so fasziniert sind und aus diesem Grunde gezwungen sind, die Verhaltensmuster in derselben Weise fortzuführen, wie wir es in der Vergangenheit taten. Zu diesem Zeitpunkt unseres Lebens ist in uns, als Folge einer früher von uns vollbrachten positiven Handlung, ein gewisser Grad von Wachheit entstanden. Ein sehr kostbarer Wachheitszustand ist in unser Bewußtsein gekommen, und das ist unsere Verbindung zum Dharma. Wenn wir in der Weise mit dem Dharma verbunden sind, daß wir ein Verständnis haben, dann bemerken wir auch eine Richtung, wohin wir gehen. Es ist, wie wenn man nach Kalifornien reisen will. Sie wissen, daß es einen bestimmten Zug gibt und daß er Sie nach Kalifornien bringt. Sie haben dieses Verständnis. Dann wird es eine Frage der individuellen Situation, des Bedürfnisses, des dringenden Bedürfnisses vielleicht, nach Kalifornien zu gehen. Man muß den Zug nehmen.

Es ist möglich, daß man die Entscheidung trifft: »Ja, so ist es. Ich werde die Reise machen.« Und sobald Sie den Zug bestiegen haben, ist die Möglichkeit, nach Kalifornien zu gelangen, größer. Es mag verschiedene Möglichkeiten geben, daß Sie nicht dorthin kommen, daß etwas auf dem Weg passiert, wie etwa ein Unfall. Aber Sie wissen, daß die Möglichkeit, dorthin zu kommen, immer noch da ist. Sie sind noch nicht da, aber Sie haben eine gewisse Richtung insofern, daß Sie wissen, daß es möglich ist, dorthin zu gelangen. Man kann sagen, daß der Segen des Dharma auch so ist; obwohl man vielleicht nicht in einem Leben Erleuchtung realisiert, ist der Segen der Praxis und des Dharma kontinuierlich. Es gibt ein Gefühl des Optimismus darüber, nach Kalifornien zu gelangen, obwohl man noch nicht da ist. Dieselbe Situation findet in Ihrem Dharma-Leben statt. Der Segen dauert an, auch wenn Sie nicht die Erfahrung von Erleuchtung in diesem Leben erreichen. Wenn Sie eine richtige Richtung haben, dann geschieht im Bardozustand (nach dem Tod) etwas, das wie das Treffen von Mutter und Sohn ist. Es ist eine Gelegenheit, um sich auf Ihre eigene Fähigkeit von Verständnis und Realisation zu verlassen und den Dharma-Segen zu nutzen, um in diesem Moment im Bardo sozusagen die ‘Mutter’ zu erkennen. Ihre Erfahrung von »Klarem Licht« findet statt und Realisation ist sehr gut möglich. Dies wird von den Belehrungen bezeugt und garantiert. Es ist definitiv möglich für die Leute, diese Dinge zu erfahren.

Obwohl die Menschen im samsarischen Wirbelwind gefangen sind, können sie Gleichmut und Mahamudra-Realisation erlangen?

Ja, es ist möglich. Es ist eine Frage des Vertrauens in die Lehren. Wenn Sie hundert Prozent Vertrauen in die Belehrungen haben, ist Ihre Realisation nicht ausschließlich von Ihrer formalen Praxis abhängig. Wenn Sie sich hundert Prozent den Lehren gewidmet haben und Vertrauen haben, dann wird jede lebendige Situation ein Teil der Praxis. Sie können die Praxis leben, anstatt sie nur zu tun. Aber je mehr das Vertrauen fehlt, um so mehr finden Sie sich vom Dharma getrennt.

Ein Teil des Trainings in der Kagyü-Linie ist die Zurückziehung von drei Jahren und drei Monaten. (...) Könnten Sie erklären, inwiefern das Drei-Jahres-Retreat etwas für die Amerikaner ist, da doch viele von ihnen der Aktivität zugeneigt sind und Schwierigkeiten haben, den Nutzen eines solchen Unternehmens zu erkennen?

(...) Ich sehe, daß in der Zukunft viele Leute diese Praktiken machen werden, und sie werden die Möglichkeiten dafür geboten bekommen. Für diejenigen, die das nicht können, gibt es dieselben Möglichkeiten, Erfahrungen zu erlangen. Es ist so, daß man in der 3-Jahres-Zurückziehung viel Meditations-Praxis macht - die Vollendungsphase und Entwicklungsphase der Meditation, Mantra-Rezitationen und viele andere Dinge. Ganz gleich, wie unwissend ein Wesen ist; es ist garantiert, daß das Drei-Jahres-Retreat eine annehmbare Erfahrung der Belehrungen im Geist der Person entstehen läßt. In der Retreat-Situation sind vorbereitende Praktiken und Hauptpraktiken eingeschlossen, und wenn man beide macht, sind gewisse Erfahrungen garantiert. Wenn jemand nun größere Weisheit und Aufnahmefähigkeit zum Verständnis der Lehren hat, dann ist es sogar ohne das Drei-Jahres-Retreat möglich, eindeutiges Verständnis und Realisation zu erfahren.

Sehen Sie, daß mehr Westler zu qualifizierten Lehrern und Linien-Haltern trainiert werden?

Ich habe das Gefühl, daß es wichtig ist, daß Leute fähig werden, für den Dharma zu sorgen und nicht nur in einer Position der Abhängigkeit sind. Ich habe Vertrauen, daß wir solche Lehrer erzeugen werden und dies ist sehr wichtig.

Sie sind anerkanntes Oberhaupt einer wichtigen Linie, der Guru von vielen Tausend Menschen. Es gibt ein häufiges Mißverständnis darüber, was ein spiritueller Lehrer in seiner Tradition ist. Könnten Sie in Ihren eigenen Worten erklären, was ein Guru ist?

Ich sage Ihnen, wer kein Guru ist. Das ist jemand, der Ruhm sucht oder der für Geld lehrt. Oder auch jemand, der, wenn er in Gegenwart vieler Leute ist, all die guten Qualitäten zeigt, die einem Lehrer geziemen, also sozusagen eine Dharma-Maske trägt. Er benutzt die jeweils passende Erscheinung, ist aber unaufrichtig. Die Realität ist dann jedoch ganz anders. Wenn er von der Menschenmenge weg ist, braucht er genauso viel wie alle anderen, und will genauso viel wie jeder andere, wenn nicht mehr. Unterschiede machen zwischen den Wesen, Selbstbezogenheit, alle diese negativen Zustände sind in ihm präsent und wurden nicht umgewandelt. Das findet leider heutzutage allzu oft statt und wirft ein schlechtes Licht auf den spirituellen Weg und spirituelle Freunde im allgemeinen. Es fördert eine negative Sicht unter Leuten, die unwissend sind bezüglich der Frage, wer ein wahrer Guru ist. Sie begegnen vielleicht einem wahren Lehrer, finden aber keine Beziehung zu ihm, weil sie zuvor negative Erfahrungen hatten, wie ich sie gerade beschrieben habe. Heutzutage ist es in der Tat sehr schwierig, einem wirklich wahren Guru zu begegnen. Wenn Sie also einem spirituellen Freund, der ein Guru ist, begegnen, schauen Sie, ob er sich selbst helfen will, während er Ihnen helfen will; auch, ob er fähig ist, Ihnen zu helfen. Er sollte den Wunsch haben, Ihnen genauso zu helfen wie sich selbst. In diesen Zeiten kann so jemand als spiritueller Freund betrachtet werden. Die wirkliche Qualität eines Gurus sollte der Wille sein, zum Wohle anderer zu arbeiten, zusammen mit der Fähigkeit, zum Wohle anderer zu arbeiten. Es gibt natürlich verschiedene Stufen von Gurus. Es gibt verschiedene Grade der Fähigkeit, anderen zu helfen, verschiedene Grade der Stärke und Weisheit, um andere zu erreichen. Es ist schwierig, spezifische Qualitäten eines Gurus anzuführen, aber wir können zu dem Schluß kommen, daß, solange ein Lehrer selbstlos den Wesen irgendwo nutzt, er es wert ist, als spiritueller Freund und Guru anerkannt zu werden.

Ihre Heiligkeit, haben Sie irgendeine besondere Botschaft, die Sie gerne Ihren Schülern, Anhängern und interessierten Leuten, die diese Zeitung lesen, geben möchten? Vielleicht einen Ratschlag für diese schwierigen Zeiten?

Die Dharma-Praxis ist eine Sache von ernsthafter Wichtigkeit. Die Leute müssen das erkennen. Es ist eine kostbare Gelegenheit, die da entstanden ist, etwas, das es nie zuvor gab. Es ist sehr kostbar, weil es so selten ist. Die Zeit, in welcher Sie diese Chance nutzen können, ist recht begrenzt und dies macht sie noch wertvoller. Ich möchte noch einmal wiederholen, daß sich eine kostbare und seltene Gelegenheit, die es nie zuvor gab, ergeben hat, wenn Sie den Dharma in Ihrem Leben finden. Es ist ein historischer Moment, ein Wendepunkt. Aber die Zeit, um diese Gelegenheit zu nutzen, ist begrenzt. Deswegen müssen wir den großen Wert der Chance erkennen. Die beste Weise, dies zu tun, ist, sich der Dharma-Praxis so ernsthaft wie möglich zu widmen. Sonst könnte diese Gelegenheit verblassen. Die Gefahr, daß man die Gelegenheit wieder verliert, besteht ganz sicher. Sie könnte sich immer weiter und weiter entfernen, und das wäre eine sehr unglückliche Situation. Es ist, wie wenn Kristalle zusammen mit einem Diamanten in einem Behälter wären. Sie würden alle als gleich angesehen, würden vernachlässigt, verstauben und nicht mehr geschätzt. Wenn sie jedoch geputzt würden und der Diamant auf Gold gelegt würde, mit Beleuchtung darauf, dann wäre man natürlich in der Lage, ihn zu schätzen. Sie würden klar sehen, daß es ein Diamant ist und nicht ein gewöhnlicher Kristall. Dieser Grad von Verständnis und Erkennen ist sehr wichtig.

Was nun ernsthaftes Praktizieren und Studium des Dharma angeht, ist es wichtig, Respekt für andere Schulen und Religionen zu haben. Im Buddhismus zum Beispiel trennen manche Leute zwischen Hinayana und Mahayana. Dies ist sehr entgegen dem Dharma, eine völlig falsche Sichtweise. Man muß denselben Respekt für die Hinayana- wie für die Mahayana-Lehren haben. Auch ist Respekt für die etablierten Religionen notwendig, die Religionen, die in diesem Land seit Hunderten von Jahren vorhanden waren. Sie haben im Leben vieler Menschen eine bedeutende Rolle gespielt. Wenn man eine andere Religion praktiziert, so muß man deswegen nicht irgend eine existierende Religion verneinen. Man hat Religionsfreiheit und die Freiheit zu praktizieren. Und so wählt man, einen bestimmten Glauben zu praktizieren. Aber diese Wahl muß nicht Ablehnung beinhalten, Verneinung oder eine sektiererische Respektlosigkeit gegenüber anderen Wegen. Dies ist nicht in Übereinstimmung mit der Dharma-Praxis. Da ein Individuum aber auch die Freiheit der Wahl hat, ist es wichtig, sich einer bestimmten spirituellen Praxis und einem Lehrer zu widmen, Nutzen von den erhaltenen Lehren und Praktiken zu gewinnen und sich durch ständige Praxis der Lehren würdig zu erweisen. Es ist sogar möglich, daß bestimmte Schüler höhere Realisation als ihre Lehrer erlangen. Dies kann vorkommen. Man sieht also die Möglichkeiten und nutzt sie, verstehend, daß man die Fähigkeit hat, die Lehren tatsächlich zu meistern. Eine eindeutige Beziehung zum Lehrer und den Belehrungen zu haben, und sich anzustrengen beim Studieren ist essentiell, wenn man Realisation erreichen will. Es geschieht nicht aus Vorurteilen oder Sektierertum. Wenn man zu einem Lehrer geht und versucht, ein bißchen zu studieren und zu praktizieren, dann zum nächsten geht und dort dasselbe macht, wird man keine definitive Verbesserung und keinen Erfolg erfahren. Aus dieser Perspektive ist es nötig, sich durchgängig an eine bestimmte Praxis-Linie der Lehren zu halten.

Halten Sie das Training in den etablierten Religionen für eine gute Grundlage für jemanden, der den buddhistischen Weg wählt?

Es gibt einen generellen Nutzen aller Praktiken, solange Sie eine religiöse oder spirituelle Ausrichtung haben und solange die Grundsätze der Religion eingehalten werden. Es ist in der einen oder anderen Weise nützlich. Aber es ist ein anderer Pfad. Noch einmal: Es ist wichtig, alle Schulen von Belehrungen zu respektieren, sei es Buddhismus oder etwas anderes. Gleichzeitig sind Sie frei zu wählen. Wählen Sie einen Pfad mit einer sinnvollen Erfahrung im Geist. Zum Beispiel: Wenn etwas sauer schmeckt, wollen Sie dieses Saure schmecken. Oder wenn es süß oder bitter ist, dann wollen Sie fähig sein, dies zu schmecken. Welche Praxis Sie auch machen, tun Sie es, bis Sie eine Erfahrung ihrer Essenz bekommen. Erfahrung ist sehr wichtig. Eine Kapazität für Erfahrung, eine Beziehung zu bestimmten Belehrungen und Praktiken wird gebraucht. Ein Grund, warum Leute soviel kritisieren, ist, weil sie so ungeduldig und verwirrt sind, daß sie hierhin und dorthin gehen. Sie versuchen eine Praxis, vernarren sich in sie, versuchen ganz schnell etwas zu erreichen, und bekommen kein sinnvolles Verständnis und keine Erfahrung. Wie könnten sie auch? Wie könnten sie irgend etwas erfahren? Also gehen sie woanders hin, bleiben dort für kurze Zeit, hoffen, daß sofort etwas passiert. Wenn es sich um einen wahren Pfad und echte Belehrungen handelt, dann geschieht das aber nicht so einfach. Es braucht Zeit. Die Mahayana-Lehren zum Beispiel sind sehr kostbar. Sie brauchen viel Einsatz in Bezug auf Ihre Klarheit, Ihre Verpflichtung und Ihre Ernsthaftigkeit. Es geschieht nichts sofort. So billig ist es nicht. Also fängt man an, diese oder jene Schule zu kritisieren. Man sagt, sie sei nichts wert, die Praxis wäre nicht gut oder die Lehren wären nicht gut oder was auch immer. Sie haben keinen Grund für Kritik. Und davon abgesehen, bringt einem diese ungesunde Einstellung nichts Gutes. Eine solche ungesunde Einstellung öffentlich zu äußern, schadet nicht nur Ihnen, sondern auch anderen. Sie pflanzen Hindernisse in den Weg anderer, die versuchen, einen Anschluß an höhere Belehrungen zu bekommen. So entsteht ein Problem.

Zusammen mit Hingabe an Ihr Studium und die Praxis sowie ernsthafter Offenheit anderen gegenüber gibt es noch eine andere nötige Einstellung, ganz einfach keine politischen Spiele zu spielen. Das heißt, nicht mit einer äußerlich freundlichen Miene herumzulaufen, wohingegen es innen anders aussieht. Äußerlich und innerlich sollten Sie anderen alle Freundschaft und Unterstützung geben, deren Sie fähig sind und gleichzeitig Ihre Praxis machen. Respektieren Sie und leben Sie Ihr eigenes Leben und machen Sie Ihre Praxis richtig.

Sie brauchen Sicherheit und Vertrauen in die Belehrungen und einen Sinn für Verpflichtung. Es ist wie ein »Sich-den-Belehrungen-ergeben«. Dies ist außerordentlich wichtig. Es geschieht nicht so leicht.

Die Etablierung des Dharma an einem Ort ist das Resultat dessen, was auf individueller Basis geschieht, es liegt in der Verantwortung des Praktizierenden.

Was ich sagen will, ist folgendes: Leute treten in den Mahayana-Weg ein und erwarten eine sofortige Realisation, ohne ein Vertrauen in die Lehren zu haben, ohne Respekt gegenüber den Lehren und ohne sich ernsthaft einzulassen. Sie haben ein ernstes Mißverständnis. Wenn ihre Verpflichtung ernsthaft ist, wenn Sie wirkliche Sicherheit und Vertrauen haben, dann kann Erfahrung entstehen. Die Gültigkeit der Belehrungen ist bezeugt durch Tausende von Jahren an Praxis und Kontinuität. Wenn Sie keine Sicherheit und Vertrauen haben können, dann muß ich ganz offen sagen, daß Sie sich selbst zum Narren halten. Sie brauchen ein gewisses Maß an Geduld und Vertrauen. Je größer das Maß an Vertrauen und Sicherheit ist, um so schneller kommt Ihre Realisation, und Sie können in einem Leben bedeutende Errungenschaften machen und eine befriedigende Realisation erlangen. Es ist etwas, von dem Sie fühlen werden, daß es all die Zeit und Energie, die Sie investiert haben, wert war. Wenn Sie fähig sind, totales Vertrauen und Sicherheit zu haben und sich anzustrengen, dann werden Sie ganz sicher in einem Leben außergewöhnlich bedeutsame Verwirklichung erlangen. Wenn Sie kein volles, aber zumindest etwas Vertrauen haben und dann praktizieren, können Sie auch etwas erreichen. Es gab Mönche, die einige Praktiken gemacht hatten, und man sah in ihrem täglichen Leben keine Unterschiede, bis sie starben und drei Tage in Meditation saßen nach dem Tod. Wenn nicht im Leben, dann ist da jedoch im Bardo ein Punkt, wo ein sehr reiner Moment erscheint. Wenn dieser vollständig reine Moment erscheint, kann die Fähigkeit, die Sie entwickelt haben, die Realisation eines höheren Geisteszustandes herbeiführen.

Als drittes möchte ich sagen, daß die Leute wirklich arbeiten und für sich selbst sorgen müssen. Wenn Sie die erleuchtete Geisteshaltung haben, tragen Sie eine Verantwortung für die Menschen um Sie herum, für Ihr Land. Sie kümmern sich um sie. Sie sind immer in Ihrer Praxis, untrennbar davon, und Sie ergreifen Möglichkeiten, anderen zu nutzen und tun das in jeder Ihnen möglichen Weise. Sie kommen aus diesem Land, sind hier geboren worden. Viele Leute, die dies lesen, sind aus Familien, die seit Generationen hier waren. Dieses Land war ein wichtiger Platz für sie. Sie müssen Ihren Großeltern Respekt erweisen und ein anständiges Leben führen, ein würdiges Leben, in welchem die Traditionen Ihrer Ahnen respektiert werden. Ein Leben, daß von der Gesellschaft, Ihren Eltern und Ihnen selbst anerkannt wird. Sie müssen auch für die folgenden Generationen ein anständiges und würdiges Beispiel setzen. Wenn Sie wirklich diesem Land und den Menschen hier helfen wollen, so scheint dies ein vernünftiger Weg zu sein. Mehr als zu dieser oder jener Partei zu gehören, in diesen oder jenen Wettbewerb verwickelt zu sein, all diese Sorten von Politik. Als Dharma-Praktizierende müssen wir Politik nicht verneinen und ablehnen, aber wir brauchen diese Spiele auch nicht mitzumachen. Es ist nicht nötig, nicht wichtig, und es wird nicht gebraucht.

Wenn Sie zum Beispiel in einem Krankenhaus arbeiten, können Sie sehen, inwiefern Sie die Möglichkeit und die Verantwortung haben, Leuten zu helfen. In derselben Weise - welche Arbeit auch immer Sie tun - wird es immer Leute geben, denen Sie nutzen können. So sollten Sie also Ihren Leuten dienen, Ihrem Land dienen und nicht erwarten, daß Ihr Land Ihnen dient. Und das ist ein Teil der Dharma-Praxis. Nicht arbeiten heißt, keine Verantwortung zu übernehmen. Wenn Sie Praktizierender der Mahayana-Lehren sind, dann heißt das, daß Sie etwas haben, auf das Sie stolz sein können, etwas Würdiges, Anständiges. Aber viele Leute laufen herum wie eine Art Ausschuß. Es ist nicht in Übereinstimmung mit dem Dharma, wie ein Ausgestoßener daherzukommen, in Lumpen, mit langem Haar und ungewaschen, wie ein Drogensüchtiger oder so etwas. Es ist nicht die richtige Weise, sich zu präsentieren. Sie haben keine Selbstachtung und respektieren nicht den Dharma, den Sie praktizieren, und Sie erzeugen nicht das richtige äußere Bild, das der vorzügliche Dharma wert ist.

Dies ist die Botschaft an die Dharma-Praktizierenden; daß sie innerlich und äußerlich würdevoll sein sollten und daß ihre innere Würde auch nach außen strahlen sollte. Wir sind keine Drogenabhängigen. Anständige Kleider zu tragen und anständige menschliche Wesen zu sein, Ihrem Land zu dienen und ebenfalls Ihnen selbst, eine Person mit Selbstachtung zu sein, ist der Dharma-Weg. Wie können Sie Leuten nutzen, wenn Sie aussehen, als wären Sie völlig von der Gesellschaft ausgeschlossen? Diese Erscheinung zu haben, ist nicht verantwortungsvoll und strahlt nicht die erleuchtete Einstellung aus. Wenn Sie die erleuchtete Geisteshaltung praktizieren, sollten Sie natürlich in der Lage sein, Leute anzuziehen. Wenn Leute Sie sehen, sollten sie denken: »Ja, diese Leute scheinen wirklich anständig zu sein. Ich denke, ich kann etwas mit ihnen anfangen und sie etwas fragen. Sie könnten mir vielleicht helfen.« So erscheinen Sie fähig, Hilfe zu geben oder zumindest fähig, eine Richtung zu zeigen, wo es Hilfe gibt. Wir sind stolz auf uns als Beispiele des Dharma. Wenn Sie in Lumpen rumlaufen, nicht auf Ihren Körper achten, in der Welt wie ein Eigenbrötler rumgehen, hinterläßt dies einen schlechten Eindruck von Ihnen, dem Dharma-Zentrum, mit dem Sie zu tun haben und auch von Ihnen als einem Bürger dieses Landes. Sie erzeugen einen schlechten Eindruck und fehlenden Respekt vor diesem Land und seinen Menschen.

Dies sind einige Punkte, die ich, bevor ich wieder gehe, den Leuten zum Gebrauch hinterlassen möchte. Ich hoffe, daß, wer auch immer diese Worte hört, ob Sie ein Dharma-Praktizierender sind oder nicht, mit Buddhismus zu tun haben oder nicht, daß diese Worte für Sie einen Sinn ergeben. Sie kommen ehrlich und wahrhaftig, ohne Heuchelei, Vorstellungen oder Diplomatie, sondern aufrichtig, direkt und rein. Mit Integrität und Aufrichtigkeit können Sie den Wesen dienen. Und wenn Sie mit dem Dharma arbeiten, können Sie vielen Wesen dienen. Dies ist das Große an den Mahayana-Lehren und -Praktiken. Sie müssen nicht aus der Gemeinschaft, aus der Gesellschaft oder der Familie herausfallen. Sie haben Würde.