Aus: Buddhismus Heute Nr. 60, (Winter 2019)

Karma – Teil I

Künzig Shamar Rinpoche

"Es ist der eigene Geist, der den Raum für die Illusionen gibt."


Das Speicherbewusstsein

Um Karma verstehen zu können, ist es wichtig, sich zuerst etwas mit dem sogenannten "Speicherbewusstsein" zu beschäftigen. Das bringt einen dahin, zu verstehen, was Karma ist, wie es entsteht, und warum und wie Karma gereinigt werden sollte. Dieses Speicherbewusstsein ist eine Art "Feld des Geistes", vergleichbar mit dem Boden. Auf dieser Grundlage kann der Geist zum Beispiel hören, schmecken, riechen, Berührung wahrnehmen, sehen und denken. Diese sechs Aspekte des Geistes nennt man auch die sechs Sinnes-Bewusstseinsarten. Sie alle beruhen auf dem Speicherbewusstsein, das eine Art Grund-Geist ist, der auch die "All-Grundlage" (tib. Kün Shi) genannt wird.

Dieses grundlegende Bewusstsein ist seiner Natur nach zwar völlig rein, aber es ist in jedem einzelnen fühlenden Wesen von Unwissenheit verdeckt, als würde es schlafen. Aus diesem Grund erkennt man den reinen Aspekt des Geistes normalerweise nicht. Der Geist – so sagt man – ist in Unwissenheit, er ist umwölkt.

Die Reinheit dieses Geistes in sich selbst hat keine Form, keine Größe, sie ist zeitlos und jenseits von allem, was man sich vorstellen kann. In gleicher Weise hat auch die Unwissenheit des Geistes keine Größe, sie ist nicht als ein Ding auffindbar. Die Natur des reinen Geistes und die Natur der Unwissenheit sind in dieser Hinsicht gleich.

Illusion eines Lebens

Wenn man die wahre Natur des Geistes nicht erkennt, befindet man sich im Geisteszustand der Unwissenheit. Der Geist erlebt dann dualistisch. Charakteristisch dafür ist, dass jeder darin erscheinende starke Gedanke als eine Gewohnheitstendenz, als ein "Karma", gespeichert werden kann. Es wird in den Geist gepflanzt in ähnlicher Weise wie ein Same in einem Feld gesät wird. Diese Samen können später durch die vielfältigen Gedanken und Bewusstseinsarten aktiviert werden.

Die primäre Ursache für jeden starken Gedanken und jede Emotion – ob positiv oder negativ – ist, dass man an der Idee eines Selbst anhaftet. Diese starken Geisteszustände werden im Raum der Unwissenheit gespeichert, verbinden sich dort mit ähnlichen Zuständen des Geistes, bestärken sich gegenseitig und wachsen an. So sammeln sich immer mehr Karmas an und sie werden immer stärker, bis schließlich die stärksten von ihnen zu einer primären Ursache für ein bestimmtes Leben heranreifen. Sie bewirken, dass der Geist dann voll von bestimmten Tendenzen ist, was sich auch in Anhaftung an eine bestimmte körperliche Form ausdrückt. In dieser Form erlebt der Geist dann die Illusion einer Lebenszeit.

Der Geist erlebt sich zum Beispiel in einem menschlichen Körper, wenn im Geist die primäre Ursache für die Erfahrung eines Menschenlebens herangereift ist. Zusätzlich kommen auch viele verschiedene weitere Ursachen zum Tragen, die miteinander in Wechselbeziehung stehen. So findet sich dieser Mensch dann in einem Netzwerk von Verbindungen mit anderen Wesen in dieser Welt hier wieder.

Wie karmische Gedanken heranreifen
Ein Gedanke wie: "Da krabbelt eine Ameise auf dem Tisch", ist kein besonders emotionaler Geisteszustand. "Ich will sie töten!" wäre schon stärker. Wenn man die Ameise dann tatsächlich tötet, würde der Gedanke durch die Handlung bekräftigt und sehr fest. Es wäre ein starker Samen im Geist, der schnell heranreifen würde.

Unser derzeitiges Karma dafür, ein Mensch zu sein, ist im Moment noch sehr stark. Es hindert andere karmische Samen am Heranreifen und lässt sie vorerst weiter schlummern. Wenn unser menschliches Leben dann zu Ende geht, werden die nächststärkeren im Geist gespeicherten Eindrücke als Erstes heranreifen.

Dieser Prozess des Heranreifens von karmischen Gedanken ist der gleiche wie beim Entstehen von Träumen im Schlaf. Die Sinnesfähigkeiten für Hören, Sehen usw. und ihre entsprechenden Bewusstseinsarten sind während des Schlafes in den Grundgeist zurückgezogen. Es geschieht nicht viel und der Geist ist nicht besonders aktiv. In dieser Phase können aus dem unwissenden Teil des Grundgeistes dann Gewohnheitstendenzen aufsteigen und sich als Träume zeigen. Diese Ursachen sind aber nicht besonders stark, weswegen Träume einfach entstehen, sich ändern und wieder verschwinden können. Sie sind in keiner Weise etwas Festes.

Die Illusion, dass wir ein Leben in einem Menschenkörper erfahren, wird hingegen von sehr starken Gewohnheitstendenzen erzeugt. Man könnte es mit einem relativ soliden Traum vergleichen; solide insofern, dass er bereits entstanden ist und andauert. Wenn man zum Beispiel das Karma dafür hat, 100 Jahre lang zu leben, würde man solange leben, wie die  Ursache für diese 100 Jahre noch vorhanden wäre. Sobald diese verbraucht ist, stirbt man und das bedeutet, dass eine solide Illusion, die von einem bestimmten starken Karma erzeugt wurde, aufhört, weil sich  das Karma dafür verbraucht hat. Die Illusion löst sich auf, und in den Augen anderer Menschen ist man tot.  Für das eigene Erleben bedeutet es aber nur: Eine Illusion ging zu Ende und eine andere beginnt.

Die Zeit zwischen einem Leben und dem nächsten wird auf Tibetisch Bardo  genannt. Sie wird als sehr verwirrend erlebt, geprägt von vielen verschiedenen Gewohnheitstendenzen und Illusionen. Jeder verstrichene Tag bringt einen jedoch dem Zeitpunkt näher, an dem der nächste starke karmische Samen zu einer Illusion heranreift. Der Geist wird sich dann völlig mit dieser identifizieren und sich nicht mehr getrennt von ihr erleben, man ist dann "in" der Illusion. Es ist nicht so, dass es irgendwo "da draußen" die Illusion eines menschlichen Lebens gäbe und man dort eintreten würde, sondern: Wenn man das Karma für eine Wiedergeburt als Mensch hat, reift dieser Same im Geist heran und führt dazu, dass man die Illusion eines Lebens in einem Menschenkörper in der Menschenwelt erlebt.

Ein Karma kann aber auch von einem anderen Karma beim Heranreifen gestört werden. Je nachdem wie stark die beiden sind, ist es sogar möglich, dass ein Karma ein anderes am Heranreifen hindert. Solange ein karmischer Samen nicht herangereift ist, kann er noch daran gehindert werden.
Wenn ein karmischer Gedanke ausgelebt wird, zu einer Handlung geführt hat, dann bekräftigt diese ihn und er wird stärker. Das gilt gleichermaßen für positive als auch für negative Gedanken und so gibt es im unwissenden Geist sowohl positive wie negative Karmas. Einige karmische Gedanken können sogar dann, wenn aus ihnen keine Handlungen gefolgt sind, sehr stark werden.
Der große Raum des unwissenden Geistes ist mit einem riesigen Fernsehschirm vergleichbar, auf dem die zahllosen Illusionen zu sehen sind. Dieser Raum des Geistes ist ungehindert und solange man seinen eigenen Geist nicht verwirklicht hat, wird es einem immer wieder passieren, dass man von der Dualität überwältigt wird. Es ist der eigene Geist, der Raum dafür gibt, dass die Illusionen stattfinden.

Ein Beispiel für Karma und Wiedergeburt

Durch die Übung der Meditation der Geistesruhe (tib. Shine)1 kann man geistige Kräfte erlangen, durch die man zum Beispiel erkennen kann, wo jemand wiedergeboren wurde. Diese Art von Meditation wurde auch vor der Zeit Buddhas von vielen Menschen in bestimmten Hindu-Schulen praktiziert. Ein Yogi aus einer solchen Schule saß einmal in einer Höhle am Fluss Ganges und sah in seinem Zustand von tiefem Shine, dass soeben eine Mutter und ihr Kind vom Ganges mitgerissen wurden und ertrunken waren. Er erkannte auch, dass beide in einem Götterbereich wiedergeboren wurden, allerdings konnte er die Ursache zu dieser hohen Wiedergeburt nicht sehen.
Den Lehren Buddhas zufolge kommt als Ursache dafür nur ein sehr kraftvoller positiver Geisteszustand in Frage. In der Tat hatte die Mutter im Sterben an nichts anderes gedacht als daran, das Leben ihres Sohnes zu retten. Bei diesem Versuch opferte sie ihr eigenes Leben. Auch der Sohn  wollte sein Leben dafür geben, dass die Mutter überleben würde. Im Sterben dachten beide also nur an den anderen. Die große Selbstlosigkeit in diesem wichtigen Moment war die Ursache für ihre Geburt in den Götterbereichen. Ihr menschliches Leben ging zu Ende, während beide in einem sehr positiven Geisteszustand waren, der durch keine anderen karmischen Eindrücke gestört wurde.
Da der Yogi ausschließlich die Meditation der Geistesruhe übte, waren seine Fähigkeiten allerdings eingeschränkt. Er sah die guten Wiedergeburten der beiden, aber nicht den Grund dafür. Ihm kam dann die Idee, dass der Fluss Ganges schlechte Handlungen und Karma von Menschen abwaschen könne. Der Yogi erzählte den Menschen von seiner Idee. So entstand die religiöse Tradition des Waschens im Ganges, weswegen bis heute Menschen rituell im Ganges baden. Der Hindu-Mythologie zufolge lebt Shiva auf dem Berg Kailash und der Fluss Ganges ist seine Tochter.

Positives Karma ist nützlich
Aus starken geistigen Zuständen entstehen sehr aktive karmische Ursachen im Geist. Jeder geistige Eindruck wird sich zu irgendeiner Zeit manifestieren, auch wenn er zur Zeit noch von anderen Karmas daran gehindert wird. Solange man unter dem Einfluss von Illusion gefangen ist, wird früher oder später jedes Karma, das man angesammelt hat, reif werden. Es kann nicht einfach so weggewischt werden.

Wenn man Theravada praktiziert und das Ziel dieser Praxis erreicht hat, ist man ein sogenannter Arhat. Auf diesem Weg sagt man sich von der bedingten Welt los und man will nicht wiedergeboren werden. Durch eine Meditation, die nur auf Auflösung des Haftens an einem Selbst zielt, kann man tatsächlich die Illusion der Wiedergeburt überwinden. Man mag sich fragen, was mit dem Karma passiert, wenn der Geist sich von Illusion befreit hat? Die Antwort ist: Karma ist Teil der Unwissenheit und löst sich mit dieser natürlicherweise auf – so wie Dunkelheit mit dem Licht verschwindet.

Arhats haben einen bestimmten Grad an Verwirklichung des reinen Geistes erlangt. Sie haben zwar kein Karma und keine Störgefühl mehr, haben aber nicht das positive Karma aufgebaut, das so viele gute Resultate hervorbringt. Wenn man nämlich sehr viel positives Karma angesammelt hat, steht einem ein großer Reichtum an Mitteln zur Verfügung, um anderen Wesen zu helfen. Man kann ihn einsetzen, um anderen Wesen zu helfen, ansonsten bräuchte man ihn gar nicht. Es gibt zahllos viele fühlende Wesen. Da man als Bodhisattva ihnen allen helfen will, braucht man viel gutes Karma, um zu ihrem Wohl gute Illusionen zu erschaffen.

Buddha Amitabha zum Beispiel hat durch die Kraft seines Verdienstes für die fühlenden Wesen das Reine Land Dewachen manifestiert. Aufgrund seiner Wünsche kann es im Geist der fühlenden Wesen erscheinen. Er hat es nicht für sich selbst erschaffen, sondern nur für die Wesen. Die Ursache für das Erscheinen von Dewachen ist Amitabhas positives Potenzial. Zugleich muss aber auch positives Potenzial im Geist der fühlenden Wesen vorhanden sein, damit sie mit seinem Reinen Land und seinen Wünschen in Verbindung treten können. Diese Verbindung ermöglicht es den Wesen erst, von dem Reinen Land zu hören und es schließlich sogar zu erleben.

Gutes Karma bringt nützliche Manifestationen hervor
Ein Bodhisattva hat gar nicht die Absicht, Illusionen einfach sofort zu beenden. Stattdessen lernt er, sie zu benutzen, um gutes Karma zu erzeugen, das den Wesen hilft. Der Nirmanakaya (Ausstrahlungszustand) und der Sambhogakaya (Freudenzustand) entstehen beide aus dem guten Karma eines erleuchteten Bodhisattvas, der nicht nur für sich selbst schnelle Befreiung anstrebt. Er verwendet stattdessen sein menschliches Leben, um Verdienst anzusammeln, um den fühlenden Wesen besser helfen zu können. Er nimmt immer wieder Geburt in verschiedenen Daseinsbereichen an, um weiteren Verdienst aufzubauen, was ihm wiederum ermöglicht, sich wieder und wieder in vielen verschiedenen Formen zu manifestieren und anderen zu nutzen.

Wenn man anderen hilft und Verdienst ansammelt, handelt man wie ein Bodhisattva. Ihr könnt das auch! Wenn man dann aber wirklich eine der Bodhisattva-Stufen erlangt hat, ermöglicht das einem noch viel mehr. Ich könnte dann zum Beispiel viele Shamar Rinpoches in all den verschiedenen Daseinsbereichen manifestieren, um den Wesen zu helfen. Das wäre viel hilfreicher, als wenn sie alle hier in dieser Welt wären. Nagarjuna ist ein Beispiel dafür: Als er durch seine Meditation in einem Leben die erste Bodhisattva-Stufe erlangt hatte, ermöglichte ihm das, in vielen verschiedenen Bereichen gleichzeitig viele Formen von sich zu manifestieren.

Die Bedeutung von Manifestation
Was genau ist eigentlich mit "manifestieren" gemeint? Es bedeutet nicht, dass aus einem Körper ein ähnlicher Körper in die Welt hinaustritt, sondern dass ein starker Wunsch wahr wird. Ich könnte zum Beispiel denken: "Ich wünschte, es gäbe einen sehr, sehr guten Fisch im Ozean, der all den anderen Fischen dort helfen würde." Wenn mein Wunsch in Erfüllung ginge, würden die Fische dort einen anderen Fisch erleben, der ihnen hilft. Ich hätte diesen Fisch durch meine Wünsche für sie "manifestiert".

In einer chinesischen Fabel gibt es die Figur eines Affen mit besonderen Fähigkeiten: Er kann viele Formen von sich selbst aussenden, um Dämonen zu bekämpfen. Bei erleuchteter Emanation geht es aber um etwas ganz anderes, nämlich dass sich ein Bodhisattva-Wunsch erfüllt. Die Wünsche der Bodhisattvas können dann wahr werden, wenn sie die Bhumis – die erleuchteten Stufen – erlangt haben.

Wie Bodhisattva-Wünsche wahr werden
Shantideva erzählte einmal die folgende Geschichte: In Südindien und in Indonesien wurden die Menschen häufig von Schlangen angegriffen. Ein Yogi namens Shanku fertigte daraufhin eine Garuda-Statue an und stellte sie auf einen Pfeiler. Ein Garuda ist ein großer schwarzer Vogel, der Schlangen tötet. Bis heute leben in Afrika größere Garuda-Arten, die Schlangen jagen, weswegen die Schlangen Angst vor ihnen haben. Das nennt man "Entstehen in Abhängigkeit", Tendrel auf Tibetisch. Schlangen haben das Karma, sich vor Garudas zu fürchten und Garudas haben das Karma, Schlangen zu jagen. Shanku schnitzte also eine hölzerne Garuda-Statue, füllte sie mit Mantras und segnete sie. Dann machte er den Wunsch, dass die Schlangen sich von dem Pfeiler mit dem Garuda fernhalten mögen. Es geschah genauso, wie er es gewünscht hatte.

Es ist eigentlich nicht möglich, dass eine hölzerne Garuda-Statue Schlangen verscheucht, aber die Schlangen spürten wohl irgendetwas und hielten sich fern. Vielleicht sahen sie aufgrund des Wunsches von Shanku einen echten Garuda? Wo auch immer die Statue aufgestellt wurde, hielt sie die Schlangen fern und die Menschen waren geschützt.
Man kann es nicht wirklich erklären, wie ein Holz-Garuda, der sich nicht bewegt und nicht fliegt, so etwas bewirken kann. Aber es war die Erfüllung des Wunsches von Shanku, und damit begann in Indonesien die Sitte, Garuda-Statuen auf Pfeiler zu stellen. Heutzutage ist es nur noch eine Tradition ohne einen echten Effekt, aber damals hat es funktioniert.
Diese Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie Bodhisattva-Wünsche den Wesen helfen können. Die Erfüllung ihrer Wünsche beruht auf ihrer Ansammlung von Verdienst. Deswegen hören Bodhisattvas nicht auf, endlos viel Verdienst anzusammeln und nehmen dafür immer wieder Geburt an.

Karmische Verbindungen
Karma findet in einem Geist statt, der von Illusionen verschleiert ist, bzw. es ist das eigene Karma, das diese Illusionen überhaupt erzeugt. Ein wichtiges Thema sind hier die "karmischen Verbindungen", zum Beispiel mit großen Bodhisattvas. Diese haben Wünsche für uns gemacht und viele positive Illusionen erschaffen, wie zum Beispiel das Reine Land Dewachen. Durch unsere karmische Verbindung mit ihnen berühren uns ihre Wünschen, und wir können diesen positiven Illusionen, die uns zur Erleuchtung helfen, begegnen.

Karmische Verbindungen können aber auch negativ sein, zum Beispiel mit einer Person, die einen boshaften Geist hat. So eine Person kann uns und anderen Schlechtes wünschen. Dadurch erzeugt sie ungünstige Umstände für die Wesen. Wenn man mit so jemandem eine karmische Verbindung hat, könnten diese negativen Umstände einen beeinträchtigen.

Es ist offensichtlich, dass wir auch negatives Karma im Geist haben, da wir immerzu Störgefühle erleben und seit endlosen Zeiten in Samsara wiedergeboren wurden. Wenn diese Karmas heranreifen, könnten sie den eigenen Weg zur Erleuchtung behindern. All diese Illusionen, die durch das Heranreifen des Karmas entstehen, werden nicht aufhören, bis man Erleuchtung oder zumindest die Stufe der persönlichen Befreiung erlangt hat. Die Ursache dieser negativen Karmas wurzelt in unserem Haften an einem Ich. Damit sie unsere Entwicklung auf dem Dharma-Weg nicht stören, wollen wir sie abschwächen und dafür brauchen wir Unterstützung, nämlich Verdienst.

1 Bzw. die Entwicklungsphase der Diamantweg-Meditationen.


Künzig Shamar Rinpoche
ist der zweithöchste Lehrer der Karma-Kagyü-Linie. Seine Inkarnationslinie stand von jeher in engster Verbindung mit derjenigen der Gyalwa Karmapas, so dass er auch zu dem Beinamen "Rothut-Karmapa" kam. Der letzte – der 14. Shamarpa – wurde 1952 geboren und starb 2014.

1959 verließ Shamar Rinpoche aufgrund der chinesischen Invasion sein Heimatland Tibet an der Seite des 16. Karmapa. Bis 1979 erhielt er im Kloster Rumtek in Sikkim sämtliche Belehrungen und Übertragungen der Kagyü-Linie vom 16. Karmapa.

Seitdem reiste er durch die ganze Welt und lehrte den Diamantweg-Buddhismus. Im März 1994 erkannte er offiziell Trinle Thaye Dorje als den 17. Gyalwa Karmapa an und leitete dessen Ausbildung.

1996 gründete er "Bodhi Path", eine Organisation von buddhistischen Zentren in Ost und West. Rinpoche ist Autor von verschiedenen Büchern wie zum Beispiel "Lojong – der buddhistische Weg zu Mitgefühl und Weisheit" und "A Golden Swan in Turbulent Waters".
www.shamarpa.org

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