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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 54, (Herbst 2014)

"Künzig Shamar Rinpoches letzte Reise"

Redaktion der Buddhismus Heute

Künzig Shamar Rinpoche hatte einen mehrtägigen Pfingstkurs mit über 400 Teilnehmern abgeschlossen, als er am 11. Juni 2014 beim Frühstück gegen 07:30 im Bodhi Path Zentrum in Renchen-Ulm einem plötzlichen Herztod erlag. Die sofort herbeigerufenen Notärzte konnten nichts mehr für ihn tun.

Nach seinem Tod verblieb Rinpoche für etwas mehr als zwei Tage im sogenannten Thugdam, ein Meditationszustand, in den hochverwirklichte Meister nach dem Tod eintreten. Ein Zeichen dafür ist, dass der in Meditationshaltung sitzende Körper warm bleibt, insbesondere im Bereich des Herz-Zentrums. Diesen Zustand aufrechterhalten zu können, ist ein Zeichen für die vollständige Erfahrung der wahren Natur des Geistes, für den Buddha-Zustand. Als glückverheißendes Zeichen verließ Shamar Rinpoche den Thugdam am 13. Juni 2014. Auf diesen Tag fiel in diesem Jahr einer der höchsten buddhistischen Feiertage, auf Tibetisch Saga Dawa Düchen genannt. Er ist sowohl Buddhas Erleuchtung als auch seinem Parinirvana, seinem Tod, gewidmet.

Offensichtlich hatte Shamar Rinpoche seinen Tod vorausgesehen und bereits seit längerer Zeit einige Vorbereitungen getroffen, wie später deutlich wurde. Er hatte sogar einem erstaunten Lama in seinem Kloster Shar Minub in Kathmandu - wo am 31. Juli 2014 sein Leichnam verbrannt wurde - angekündigt, dass Ende Juli Karmapa zum ersten Mal nach Nepal und Shar Minub kommen würde, ohne ihm den Grund dafür zu nennen.
Er beauftragte diesen Lama, ein anständiges Bett für Karmapa zu kaufen. Anderthalb Stunden vor seinem Tod rief Shamar Rinpoche den Lama an und bestätigte, dass das Bett von dem er per Email ein Foto erhalten hatte, gekauft werden solle.

Den Abend vor seinem Tod verbrachte Rinpoche in kleiner Runde und verkündete, dass dies sein letztes Abendessen sei.

Künzig Shamar Rinpoches Körper wurde auf dem Friedhof von Renchen, in der Nähe des Hauptzentrums seiner Organisation Bodhi Path, in der Leichenhalle aufgebahrt. Neun Tage lang führten dort verschiedene Lamas die Zeremonien durch, die in den 49 Tagen nach dem Tod eines so großen Meisters üblich sind. Es wurden insbesondere Amitabha-Rituale durchgeführt, denn Rinpoche galt als Ausstrahlung des Buddhas "Grenzenloses Licht", auf Sanskrit Buddha Amitabha.

In diesen Tagen war es für Rinpoches Schüler möglich, die Trauerhalle zu besuchen und sich von ihrem Lehrer zu verabschieden. Tausende von Menschen kamen in dieser Zeit nach Renchen, und es zeigten sich besondere Zeichen am Himmel über dem Ort - ungewöhnliche Wolkenformationen, kreisrunde Regenbögen um die Sonne usw., alles Zeichen, die als typisch für das Versterben eines Erleuchteten gelten.

Der 17. Gyalwa Karmapa Trinle Thaye Dorje reiste nach Renchen, um den Körper seines Hauptlehrers nach Asien zurückzubegleiten. Karmapa verbrachte dort mehrere Tage, meditierte neben dem Körper Shamar Rinpoches in der Trauerhalle und leitete die Rituale.

Mitglieder verschiedener Organisationen der Karma-Kagyü-Linie - Bodhi Path, Diamondway, Dhagpo Kagyü Ling und andere - arbeiteten zusammen, um die Organisation dieses Ereignisses zu ermöglichen; ein trotz des traurigen Anlasses schönes Zeichen für das gegenseitige Vertrauen und den Wunsch, in einer schweren Zeit als Karma-Kagyü-Familie zusammenzustehen.

In einer eilends in Fußnähe von der Trauerhalle angemieteten Festhalle fand ein zweitägiges Rahmenprogramm statt: Vorträge über Shamar Rinpoche, geleitete Meditationen und Video-Vorführungen von Rinpoches Vorträgen.

Am 19. Juni leitete der 17. Gyalwa Karmapa den Trauerzug vom Friedhof Renchen. Er schritt vor dem Auto mit dem Sarg Shamar Rinpoches, hinter dem dann Shamarpas Bruder Jigme Rinpoche ging. Hunderte von Trauergästen säumten die Straße durch den kleinen Ort Renchen.

Am 22. Juni kam Rinpoches Körper im Karmapa International Buddhist Institute (KIBI) in New Delhi an, wiederum wurde der Trauerzug von Gyalwa Karmapa angeführt. Jamgön Kongtrul Rinpoche, Beru Khyentse Rinpoche, Shangpa Rinpoche, Sherab Gyaltsen Rinpoche und viele andere Rinpoches empfingen ihn. Bis zum 1. Juli leitete Karmapa die Zeremonien und Shamarpas Schüler hatten die Gelegenheit, sich zu verabschieden.

Am 1. Juli geleitete Gyalwa Karmapa Shamar Rinpoches Körper - den Kudung, wie die Tibeter respektvoll den Leichnam eines großen verstorbenen Meister nennen - von New Delhi nach Nordindien. In einer Kolonne von 40 Autos wurde er vom Flughafen Bagdogra bei Siliguri nach Kalimpong gebracht.
Die Straßen waren von tausenden von Menschen gesäumt, die sich von ihm verabschiedeten. Rinpoche wurde im von ihm gegründeten Shri Diwakar Vihara Buddhist Research and Educational Institute aufgebahrt, wo der 17. Gyalwa Karmapa und andere Rinpoches täglich Zeremonien abhielten.

Jeden Tag kamen viele Schüler aus dieser Gegend Indiens, aber auch aus Bhutan, Nepal und anderen Ländern Asiens, um sich von Shamar Rinpoche zu verabschieden. Auch Delegationen von Klöstern anderer Linien, zum Beispiel vom Nyingma-Kloster Sangdog Pelri in Kalimpong, erwiesen Rinpoche die letzte Ehre.

Abends wurde mehrfach eine Prozession mit Kerzenlichtern um die Shedra (buddh. Universität), in der Rinpoches Körper aufgebahrt war, abgehalten.

Am 4. Juli kamen Mitglieder des bhutanesischen Königshauses zu Besuch. Seit dem 2. König Bhutans hatte es immer eine enge Verbindung zwischen dem Königshaus und den Shamarpas und Karmapas gegeben.

Chökyi Nyima Rinpoche aus Kathmandu, einer der Söhne von Urgyen Rinpoche, besuchte Gyalwa Karmapa am 9. Juli und verabschiedete sich von Shamar Rinpoche. Chökyi Nyima Rinpoche leitet in Kathmandu das große Kloster Ka-Nying Shedrub Ling am Bodhnath-Stupa, und hat viele westliche Schüler.

In den ersten Julitagen wurde ein Video-Botschaft von Gyalwa Karmapa an seine und Rinpoches Schüler veröffentlicht, die am 30. Juni aufgenommen worden war, siehe Übersetzung.

Der für den 13. Juli angesetzte Transport nach Kathmandu, wo für den 31. Juli die Verbrennung in Rinpoches Kloster Shar Minub angekündigt war, wurde einige Tage vorher verschoben.
Es gingen Meldungen durch die Presse, dass Nepal auf chinesischen Druck die Erlaubnis für die Verbrennung wieder zurückgezogen habe. Am 15. Juli schrieben die Buddhismus Stiftung Diamantweg, die Bodhi Path Zentren und die Zentren Premierminister, führten ihm die Situation vor Augen, erinnerten an die enge Verbindung der Shamarpas mit Nepal und baten ihn, die Rücknahme der Erlaubnis noch einmal zu überdenken. Eine Online-Petition erzielte innerhalb weniger Tage 13000 Unterschriften.

In diesen Tagen wurden in Shar Minub täglich Rituale ausgeführt - unter anderem von Chökyi Nyima Rinpoche und seinem Bruder Tsikey Chokling Rinpoche - und man hoffte auf die Nachricht über die Zustimmung durch die nepalesische Regierung.

Am 27. Juli wurde Rinpoches Kudung für zwei Tage nach Bhutan geflogen, um seinen Schülern dort die Möglichkeit zu geben, sich von ihm zu verabschieden. Zwei Tage lang war er im königlichen Palast Ugyen Pelri im Paro-Tal aufgebahrt, und viele Menschen kamen, um ihre Ehrerbietung zu erweisen. Der derzeitige König von Bhutan, Seine Majestät Jigme Khesar Namgyel Wangchuck und seine Frau beteten dort am 28. Juli vor Rinpoches Körper. In diesen Tagen sah man immer wieder beeindruckend schöne Regenbögen über dem Palast. Am 28. Juli traf endlich die erhoffte Nachricht über die Zustimmung zur Verbrennung in Kathmandu ein.

Am 29. Juli reiste Gyalwa Karmapa ins KIBI nach New Delhi und der Körper seines Lehrers wurde nach Kathmandu in Nepal geflogen, seiner letztendlichen Ruhestätte. Shamar Rinpoche hatte am Rande von Kathmandu, am Fuße des Nagarjuna Hills, in den letzten Jahren diese große Klosteranlage als seinen Hauptsitz erbaut. (http://sharminub.org)

Nach der Landung in Kathmandu wurde der Kudung in einer Prozession von vielen seiner Schüler, darunter auch viele hohe Lamas und Rinpoches, über die Boudha- und Swayambhu-Stupas nach Shar Minub gefahren. Dort wurde er aufgebahrt, damit seine Schüler von ihm Abschied nehmen konnten.

In Shar Minub wurden die letzten Rituale durchgeführt, bis zur Verbrennung am 31. Juli, wiederum einem der großen buddhistischen Feiertage. An diesem Tag wird gefeiert, dass Buddha das "Rad der Lehre drehte", also den Wesen die befreienden und erleuchtenden Lehren gab.

Am Tag vor der Verbrennung, am 30. Juli 2014 wandte sich Gyalwa Karmapa aus New Delhi mit einer Audio-Botschaft via Internet an seine Schüler, bevor er sich auf den Weg nach Kathmandu machte, um die Rituale während der Verbrennung anzuleiten:

Bei der Verbrennung am 31. Juli 2014 führten Gyalwa Karmapa und sechs hohe Rinpoches gleichzeitig an der Verbrennungsstelle Rituale auf wichtige Vajrayana-Buddha-Aspekte durch:

Gyalwa Karmapa:
"Allmächtiger Ozean" (tib. Gyalwa Gyamtso, skt. Jinasagara)

Der Drukpa-Kagyü-Rinpoche Lekso Lopön Rinpoche aus Bhutan:
"Der Unerschütterliche" (tib. Mitrugpa, skt. Akshobya)

Das Oberhaupt der Ngor-Sakya-Schule Luding Khenpo Rinpoche:
"Oh Diamant" (tib. Kye Dorje, skt. Hevajra)

Die Nyingma-Rinpoches aus Kathmandu Chokling Rinpoche und sein Bruder Chökyi Nyima Rinpoche:
"Diamantgeist" (tib. Dorje Sempa, skt. Vajrasattva)

Der Karma-Kagyü-Rinpoche Beru Khyentse Rinpoche:
"Rote Weisheit" (tib. Dorje Phagmo, skt. Vajravarahi)

Der Karma-Kagyü-Rinpoche Gyaltrul Rinpoche:
"Höchste Freude" (tib. Khorlo Demchog, skt. Chakrasamvara)

In seinem letzten Vortrag, den Shamar Rinpoche vor seinem Tod gab, hatte er unter anderem gesagt: "Ihr braucht euch nicht vor dem Tod zu fürchten wenn ihr wisst, wie ihr im Tode praktiziert."


Die Redaktion