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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 52, (Winter 2012 / 2013)

Die Lehraktivitäten von Lama Ole Nydahl

Shamar Rinpoche / 40 Jahre Diamantweg

Als Lama Ole und Hannah 1969 in Nepal Schüler von S.H. dem 16. Karmapa wurden, war ich 18 Jahre alt. Sie hatten sich auf der Stelle als Freiwillige gemeldet, um mitzuhelfen bei der Organisation der vielen Menschen, die zu den Ermächtigungen Seiner Heiligkeit kamen. Von diesem Zeitpunkt an konnten sie Karmapa jeden Tag sehen. Wenn Besucher kamen, warteten sie draußen, aber sobald es wieder freie Zeit gab, wurden sie erneut in Karmapas Zimmer empfangen. Wo auch immer Karmapa lehrte und Ermächtigungen gab, behandelte er Hannah und Ole in sehr besonderer Weise, ließ sie in vorderster Reihe sitzen und nannte sie "meine zwei Hippies".

Auf dem Weg zu ihrem ersten Besuch in Rumtek beschlossen Hannah und Lama Ole eine Abkürzung über die Hügel zu nehmen - es gab damals noch keine öffentlichen Verkehrsmittel. Sie verliefen sich in den Reisfeldern und es wurde schwierig, wieder herauszufinden. Eine Krähe erschien, flog immer ein Stück vor ihnen, landete dann wieder und führte sie so durch die Felder, bis sie das Kloster sehen konnten. Es war eine mehrstündige Tour, aber sie erreichten ihr Ziel vor Anbruch der Nacht.

Von diesem Zeitpunkt an lehrte ihnen Karmapa jeden Tag das Dharma und bat auch Tenga Rinpoche um Unterstützung. Obwohl ich noch sehr jung war, gab auch ich ihnen Unterweisungen, wie zum Beispiel Erklärungen zu Gampopas "Juwelenschmuck der Befreiung". Karmapa bat sie, die vier Grundübungen zu machen und später das Guru-Yoga auf den "8. Karmapa in vier Sitzungen".

Damals war es schwierig, Visa für Sikkim erneuern zu lassen, und so kam es, dass Karmapa Lama Ole und Hannah nach Sonada schickte, um bei Kalu Rinpoche zu studieren und so die Zeit gut zu nutzen. Alles in allem verbrachten sie drei Jahre im Himalaja, erhielten Belehrungen und Meditations-Erklärungen und praktizierten die ganze Zeit über.

Im Jahre 1972 sagte Karmapa ihnen, dass sie in den Westen zurückkehren und die Menschen dort in den Buddhismus einführen sollten. Ich erinnere mich, dass Lama Ole Karmapa fragte, ob er denn wirklich lehren könne, da er kein Mönch sei und auch keiner sein wolle. Karmapa bestätigte, dass Lama Ole das Dharma als Laie lehren solle, als sogenannter Genyen-Bodhisattva, und schickte die beiden nach Hause, mit einem Empfehlungsbrief an die Königin von Dänemark, Margaret II.

Zurück in Dänemark verwendeten Lama Ole und Hannah ihre Erbschaft für den Kauf eines Hauses, welches sie einem neu gegründetem Karma-Kagyü-Verein übertrugen, und starteten so das erste buddhistische Zentrum in Kopenhagen. Zu jener Zeit besuchte S.H. Dalai Lama zum ersten Mal Europa. S.H. weihte das Zentrum ein, was ein bemerkenswertes Ereignis war.

Lama Ole begann gemäß Karmapas Wunsch, Karma-Kagyü-Zentren in der westlichen Welt zu gründen. Bis 1991 waren es bereits 94 Zentren, die er dem Karmapa Charitable Trust in Sikkim, einer vom 16. Karmapa gegründeten Organisation zur Verwaltung der Karma-Kagyü-Güter, anbot. Als kurz danach die Kontroverse um den Karmapa-Titel aufkam, schützte Lama Ole die Zentren vor möglichen Forderungen durch Anhänger des chinesisch bestätigten Karmapa, Urgyen Trinle. Infolgedessen gründete Lama Ole im Westen die Diamantweg-Organisation.

Lama Ole ist bis heute ein authentischer Lehrer und gibt die Lehren exakt so weiter, wie er sie selbst vom verstorbenen 16. Karmapa, Kalu Rinpoche, Tenga Rinpoche und mir selbst erhalten hat. Ich selbst wurde Zeuge, als er sogar Leute, die bei Einweihungen in der Segensschlange standen, daran erinnerte, keine Bilder von Buddha-Aspekten ungeschützt in ihre Gesäßtaschen zu stecken.

Heute folgt Lama Ole dem Rat des 17. Gyalwa Karmapa, indem er zum Beispiel an Vollmondtagen kein Fleisch isst. Lama Ole motiviert seine Schüler durch sein eigenes Beispiel in verschiedenster Weise. Vor kurzem beispielsweise ermutigte er sie zur Mäßigung beim Trinken von Alkohol. Aus diesem Grunde hörte er selbst auf zu trinken.

Ich habe beobachtet, dass Lama Ole bereits seit den 70er und frühen 80er Jahren den radikalen Islam kritisiert. Obwohl er seine Sorgen öffentlich ausdrückte, hat er nie eine politische oder antireligiöse Aktivität organisiert, sondern uns oft zu Gebeten und Wünschen aufgefordert. Nach so vielem unnötigen Töten versteht die Welt heutzutage auch den Grund dafür. Im Allgemeinen sollte man keine Unterschiede machen, aber wenn aufgrund einer radikalen Religion oder politischen Ideologie eine Gefahr besteht, sollte man mit gutem Herzen vor ihr warnen. Aus buddhistischer Sicht ist es kein Fehlverhalten, wenn jemand eine Gefahr sieht, eine reine Motivation hat und freiwillig darauf hinweist.

Man kann in der menschlichen Existenz immer nach Fehlern suchen und es gibt auch viele Beispiele dafür in der spirituellen Welt.
Im Falle von Lama Ole kann ich jedoch keinen Missbrauch der Lehrer-Position sehen. Die Diamantweg-Buddhismus-Zentren sind frei von jeglichen Skandalen oder fingierten Belehrungen.

Ich möchte meine Anerkennung ausdrücken für Lama Oles vierzigjährige Arbeit der Übertragung der Lehren Buddhas in den Westen zum Wohle aller Wesen. Ich mache Wünsche dafür, dass Lama Oles Aktivität weiterhin wächst.


Shamar Rinpoche
Aus dem Englischen


Ich gratuliere Lama Ole und der verstorbenen Hannah.
Sie widmeten ihr Leben dem Buddha-Dharma, und die Ergebnisse sind großartig.
...
Viele Glückwünsche an Lama Ole. Was für eine großartige Errungenschaft in diesem Leben!
Lama Ole ist jemand, der sein ganzes Leben den Menschen gibt. Jemand wie Lama Ole ist wirklich sehr selten, das sage ich euch ganz ehrlich. Einen Lehrer, der sich so sehr widmet, findet man selten. Ich bin wirklich sehr froh, euch alle hier mit eurem Lehrer Lama Ole zu sehen, und an der 40-Jahres-Feier teilzunehmen. Ich bin sehr glücklich darüber!

Shamar Rinpoche auf dem Kurs "40 Jahre Diamantweg"
Kopenhagen, 20. Oktober 2012
Aus dem Englischen