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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 51, (Sommer 2012)

10-Minuten-Vorträge

Von Renate Scholz und Peter Speier

Lama Ole Nydahl ermutigt seine Schüler seit Jahren, in den Zentren vor der Meditation Kurzvorträge über buddhistische Themen zu halten. Auf unseren Vortragsreisen1 im In- und Ausland stellen wir immer wieder fest, dass die einzelnen Zentren diese 10-Minuten-Kurzvorträge recht unterschiedlich handhaben. Sie finden zwar fast überall statt, sind aber in praktisch jeder Gruppe ein Thema. "Wie oft sollen wir sie halten? Wer hält sie? Was sind die Themen? Warum sind sie wichtig?"
So hatten wir die Idee, in den Zentren eine Umfrage durchzuführen und Lama Ole um eine Stellungnahme zu bitten.

Wir baten alle deutschen und viele internationale Zentren um Rückmeldung, wie sie die 10-Minuten-Vorträge handhaben. Hier eine Zusammenfassung der vielen interessanten Antworten.

In einigen großen Zentren wie Frankfurt oder München finden jeden Tag Kurzvorträge statt, in kleinen und mittleren Gruppen in der Regel jedoch viel seltener. Hier reicht die Spanne von einmal pro Woche bis "unregelmäßig". Aktiv ist im Durchschnitt etwa ein Viertel aus der Gruppe.

Dabei gehen "alte Hasen" oft mit gutem Beispiel voran. In vielen Zentren gibt es Listen, in die man sich eintragen kann. Den besten Erfolg, auch neuere Leute zu einem Vortrag zu bewegen, haben die meisten Zentren mit direkter persönlicher Ansprache gemacht. Besonders gut läuft es an Stellen wie Berlin, wo man sich ein Überraschungs-Ei" mit einem Thema ziehen kann. Das erleichtert die Qual der Wahl bei der Themenfindung und sorgt für rege Beteiligung.

Viele Zentren haben Themenlisten und die Quellen werden im Vortrag meist auch genannt. Viele Zentren orientieren sich an den Kapiteln von Lama Oles Buch "Wie die Dinge sind", an "Buddhismus Heute"-Artikeln oder Vorträgen von Lama Ole. Nicht für jeden ist aber klar, dass man sich im Diamantweg auf das Wissen und die Übertragung der eigenen Lehrer stützt.

Manche Zentren bieten Übungsgruppen an, in denen man in einem gesüützten Rahmen das Sprechen vor der Gruppe üben und inhaltliche Fragen klären kann. Dagegen ist das "Doktorvater"-Prinzip noch recht ausbaufähig. Das bedeutet nämlich, dass Erfahrene die Neuen nicht nur zu einem Vortrag ermutigen, sondern auch inhaltlich beratend zur Seite stehen. Dazu gehört ebenfalls, dass umgekehrt die Neuen auf einen "alten Hasen" zugehen und um Unterstützung bitten. So würde man ein inhaltliches Feedback erhalten, das über ein freundschaftliches Schulterklopfen hinausgeht.
In unserer Umfrage war besonders auffallend, dass sich das Feedback nach dem Kurzvortrag fast immer mit einem netten "gut gemacht!" begnügt. Dahinter steht offenbar die Angst, Leute zu entmutigen. Dabei könnte man aus einem qualifizierten Feedback sehr viel lernen. Mit einem "Doktorvater", der einem zur Seite steht, wäre es auch leichter, die persönliche Schüchternheit zu überwinden. Das "erste Mal" fanden jedenfalls alle ganz toll und hatten auch Lust weiterzumachen.

Zusammenfassend hatten wir den Eindruck, dass das Thema der Kurzvorträge in den Zentren angekommen ist. Manche Stellen gehen das Thema sehr freudvoll und richtig aktiv an. Sogar eine kleine Gruppe kann richtig etwas auf die Beine stellen und vor jeder Meditation einen Kurzvortrag anbieten. In einer kleinen Sangha würde das bedeuten, dass man im Durchschnitt einmal pro Monat an der Reihe ist.
Apropos zuhören... Nach den klassischen Belehrungen kommt erst Information, dann die Meditation. Unsere eigene Erfahrung ist, dass es sehr inspirierend ist, vor der Meditation erst etwas "Dharma-Input" zu haben. Auch wenn man die Infos schon hundertmal gehört hat, staunt man immer wieder über die Tiefgründigkeit der Belehrungen.

Unsere Fragen an die Zentren

Allgemeines:

  • Wie oft findet bei euch ein Kurzvortrag statt?
  • Wie plant ihr die Vorträge? Habt ihr eine Liste mit Namen und Themen aushängen?
  • Wie viele aus eurem Zentrum beteiligen sich?
  • Gehen die "alten Hasen" mit gutem Beispiel voran?
  • Wie werden neue Leute für die Vorträge inspiriert?
  • Was macht ihr, wenn sich Leute nicht trauen?
  • Gibt es Übungsgruppen oder "Doktorväter"?

Themen und Quellen:

  • Sind Themen und Informationsquellen klar?
  • Werden die Quellen im Vortrag angegeben?
  • Nehmen die Leute auch Diamantweg-Themen oder werden allgemeinere Themen bevorzugt?
  • Habt ihr Kriterien für einen sinnvollen Aufbau der Kurzvorträge?

Feedback:

  • Gibt es ein Feedback nach den Vorträgen?
  • Ist das Feedback genau?
  • Habt ihr Kriterien für ein sinnvolles Feedback?

Erfahrungen:

  • Welche Gründe gibt es, dass sich manche nicht trauen?
  • Wie war euer "erstes Mal"?
  • Haben sich aus den Kurzvorträgen heraus Regionallehrer entwickelt?

1: Die Autoren sind internationale Reiselehrer


Von Renate Scholz und Peter Speier